Touren & Betten > Reiseberichte > USA-Tour (2007) > Tag 6: NYC > Fultonville

Heute verlassen wir New York City - im zweiten Teil des Urlaubs wollen wir ein wenig etwas vom Land sehen, dass hinter der großen Metropole steckt. Und wie es sich (zumindest für amerikanische Honeymooner) gehört, muss dabei auch ein Besuch der Niagarafälle ganz am nordwestlichen Ende des gleichen Bundesstaates auf dem Plan stehen. Schon vor Wochen haben wir daher einen Mietwagen gebucht, den wir heute gegen 10 Uhr an der Alamo-Verleihstation in der 80sten Straße abholen sollen. Die Station haben wir ausgesucht, weil sie so schön nah zu unserem Hotel in der 81. Straße zu sein scheint – ein böser Lapsus, denn mit etwas mehr NYC-Erfahrung hätten wir auch schon bei der Buchung feststellen können, dass unsere 81. Straße in der Upper West Side liegt, jene 80. Straße in der Upper East Side. Also auf den gegenüberliegenden Seite des Central Parks.
Es gilt also, einige Entfernung zu überwinden. Wir checken früh aus, freuen uns kurz am dunkelblauen Morgenhimmel und zerren unsere beiden großen Rollkoffer auf die Straße — nicht etwa in Richtung des nächstverfügbaren Yellow Cabs, wie man nun vielleicht vermuten könnte. Uns ärgert ja immer noch der Gedanke, dass uns am ersten Morgen einige Bilder auf dem kaputten Speicherchip abhanden gekommen sind. Also erst einmal die Schritte rasch in den nahegelegenen Park gelenkt, wo wir mit geräuschvoll bollernden Koffern die Parkwege zwischen Joggern und - es ist schließlich Sonntag - den ersten Picknickern unsicher machen. Ein kurzer Blick auf die Übersichtstateln in den Parks und der Entschluss, die Bethesda Terrace diesmal über einen anderen Weg zu erreichen – schließlich sind wir ja bereits New York-Profis. Eine Viertelstunde später irren wir wie zwei Volldeppen irgendwo orientierungslos über die Parkwege. Eine weitere Tafel taucht auf - wir sind am völlig falschen Ende des Parks. Die Sonne steigt schnell, die Uhr tickt erbarmungslos, es wird heiß. Am »The Lake« wird morgens um Neun ein Brautpaar fotografiert – die idyllische Ruhe, die nur von knuspernden Eichhörnchen und gelegentlich hechelnden Joggern gestört wird, durchbrechen wir jäh mit unseren polternden Rumpelkoffern.
Endlich! Die Bethesda Terrace - feiertagsbedingt auch zu dieser Uhrzeit bereits mit etlich mehr Leuten als am Tag 1, wo wir seinerzeit wunderschöne Fotos mit bemerkenswerter Menschenlosigkeit machen konnten. Fotos können wir natürlich auch jetzt machen, aber es läuft immer irgendjemand durchs Bild, der unserer subjektiven Meinung nach dort nicht hingehört.

Die Uhr drängt - der Wagen wartet bei Alamo, wir haben noch einen weiten Weg bis dorthin und wollen heute abend schon kurz vor den Niagarafällen sein. Also hurtig weiter. Wir erreichen die 80. Straße am Ostende des Parks und laufen sie Block für Block entlang. Nach längerer Suche auf der falschen Straßenseite und anschließendem kurzem Finden auf der Richtigen sind wir bei Alamo angekommen und schon jetzt ziemlich groggy. Wir zücken freudestrahlend nach einer halbstündigen Wartezeit in Erwartung des fahrbaren Untersatzes die Buchungspapiere. Die gelangweilte Dame tippt auf ihrer Tastatur lange Zahlenkolonnen ein. Unsere Namen – und unsere Buchung – findet sie trotzdem nicht.
Es kann heiß werden in New York, und allmählich aufkommende Panik macht es nicht kühler. Die Dame murmelt geheimnisvolle Dinge und eröffnet uns schließlich, dass ein Midsize-Car, wie wir es nun einmal bestellt hätten, nicht vorrätig sei. Aha. ABER: Wir sollten doch kurz zu Alamo in der Upper West Side, die hätten mehr Autos vorrätig. Protest unserseits, dass wir soeben den langen Fußweg von eben jener West Side hinter uns hätten, stößt auf wenig Verständnis: Man könne ein Taxi nehmen, die Kosten würden uns erstattet.
Raus aus dem Laden, Taxi angehalten und zurück auf die West Side. Unser Hotel, aus dem wir vor nunmehr drei Stunden ausgecheckt haben, lacht uns höhnisch an, als wir an ihm vorbeifahren. Nur vier Blocks entfernt befindet sich jene, uns zuvor unbekannte Filiale in der 77. Straße, die wir mit 5 Minuten Fußweg erreicht hätten. Wir steigen aus, bezahlen 7,70 Dollar und betreten gegen 11.00 Uhr erneut Alamo, nun auf der Westseite der Stadt.
Uns trifft der Schlag: Vor uns befindet sich eine Schlange von rund 20 weiteren potentiellen Fahrern von Mietwagen, die ebenfalls gerne ein Fahrzeug hätten. Das durchaus freundliche Personal versucht die Meute zu beruhigen: Heute sei der Wurm drin, es würden zu wenig Fahrzeuge wieder zurückgegeben, es seinen keine Wagen mehr vorrätig. Die wirklich bemühte Dame wirkt nicht glücklicher, als wir ihr eröffnen, dass uns bereits eine andere Filiale wegen eines Mid Size-Cars hierher schicke.
Gegen 13 Uhr verlassen wir auf vier Rädern eines Monster-Chevrolets die Filiale. Eine Viertelstunde zuvor wurde der Wagen erst vom Vormieter zurückgegeben und in Windeseile gereinigt. Viele der Leute in der Schlange stehen dort noch immer und warten. Malte ist der Autoverkehr in NYC noch nie geheuer gewesen, umso begeisterter sind wir, als wir nach 5 Minuten bereits in flotter Fahrt auf die bereits bestens bekannte George Washington Bridge zusteuern. Wir fahren auf die Interstate 87 und rollen eine halbe Stunde später über die Tappan Zee Bridge auf die westliche Seite des Hudson. Von der Brücke aus grinst uns frech das Tarrytown Lighthouse an, das aus dem Beifahrerfenster bequem mit Tele hätte fotografiert werden können - vorausgesetzt, man hat eine Kamera griffbereit. Unsere Fotoausrüstung ist aber gut verstaut im Kofferraum, Standstreifen gibt´s nicht und überhaupt sind wir spät dran.
Wir kommen anschließend aber recht gut voran und finden bei Esopus den gut ausgeschilderten Lighthouse Park, von dem man aus den in einiger Entfernung mitten im Hudson stehende Leuchtturm Esopus Maedows fotografieren kann. Die Schilderung, dass der Hudson in diesem Teil dem deutschen Rheintal ähneln würde, können wir nur bedingt nachvollziehen.
Der 9W weiter Richtung Norden folgend, erreichten wir Kingston, wo wir den Wallkill River auf einer breiten Brücke überfahren. Hier scheint heute ein irisches Volksfest stattzufinden, Umleitungen und Parkplatz-Shuttlebusse werden überall angekündigt. Mutig fahren wir dennoch in den Ort und finden eher zufällig einen guten Ausblick auf den Leuchtturm Rondout.

Wir folgen weiter der 9W entlang des westlichen Hudson-Ufers. In Saugerties kommen wir gegen 17.45 Uhr an, die Sonne steht schon tief. Der Weg zum Leuchtturm wird glücklicherweise bereits im Ort bestens ausgeschildert, so dass wir bald darauf an einem kleinen Parkeingang mit anschließbarem Tor angelangen. Zwei Sachen auf den zahlreichen Hinweisschildern machen uns stutzig:
- Der Park wird zum Sonnenuntergang abgeschlossen.
- Teile des Weges können überflutet sein.
Pah, das kann uns doch nicht erschüttern. Jetzt aber dalli, bevor die Sonne untergeht. Wir sind begeistert von dem schmalen Fußpfad, der durch ein wunderschönes Sumpf- und Ufergebiet führt und teilweise auf Bohlenbrücken angelegt ist. Nach gut zehn Minuten, in denen uns einige Passanten mitleidig lächelnd entgegen kamen, stehen wir vor einer Pfütze, deren Übergang in den Hudson River im wahrsten Wortsinn fließend ist. Der Pegel steigt! Was tut man nicht alles für ein gutes Photo - Hose hoch, Schuhe und Socken aus, und dann weiter. Nach weiteren zehn Minuten sind die Bilder eines wirklich wunderschönen amerikanischen Leuchtturms im Kasten und wir huschen den fantastischen Naturpfad wieder zurück zum Auto. Dort muss erstmal die Hose gewechselt werden: Das Wasser stieg stellenweise schon bis zu den Knien, als die Bilder des Turms gemacht wurden.
Angesichts der fortschreitenden Dämmerung haben wir nicht wirklich geglaubt, noch einen weiteren Leuchtturm aufnehmen zu können. Doch der Turm von Hudson-Athens lässt sich von der Route 385, nur wenige Meilen weiter nördlich, so wunderbar im letzten Sonnenlicht aufnehmen, dass wir ihn nicht auslassen möchten. Dann ist Schluss für heute, und wir setzen uns wieder auf die Interstate 87 Richtung Albany.
Die Sonne ist bereits lange untergegangen, als wir in dem kleinen Örtchen Fultonville-Fonda im Riverside Motel ein Zimmer bekommen. Es war uns schon mittags klar, dass wir unser Tagesziel Niagarafälle nicht mehr schaffen würden, und vielleicht war das auch gut so, wie wir noch sehen werden. Wir werden um 22 Uhr mit einem Feuerwerk in unserer Kleinstadt belohnt, das von einer Kirmes auf der anderen Flusseite des Mohawk River ausgeht. Ein schöner Abschluss!
Bliebe noch der Zusatz, dass wir die 7,70 $ für die Taxikosten nun doch nicht zurückbekommen: Wir vergaßen schlichtweg in der Aufregung, die Quittung abzugeben :-)